Wachstumsmotor alternative Energien – Möglichkeiten am Arbeitsmarkt
September 6, 2009 on 12:32 amLaut Siemens Chef Peter Löscher hat die Umwelttechnik das Potential, zur wichtigsten deutschen Leitindustrie des 21. Jahrhunderts zu werden und die Automobilindustrie von diesem Nimbus abzulösen. Experten sind sich einig, dass im Bereich grüner Technologien bis 2020 rund eine Million neuer Arbeitsplätze alleine in Deutschland entstehen können. Siehe dazu auch “Wirtschaftsfaktor Green Tech” auf www.greenerbrands.de
Derzeit arbeiten schon rund 400.000 Menschen in Berufen rund um Sonne, Wind, Biothermie, Wasser und Geothermie. Die Roland Berger Unternehmensberatung erwartet, dass im Jahr 2020 mehr als 1.2 Mio Menschen im Bereich der erneuerbaren Energien tätig sind, cirka 3 mal so viel wie heute. 
Wir sprechen heute mit Herrn Michael vom Bruck, Geschäftsführer der Personalberatung EYRIS, welche einige Positionen im Bereich erneuerbare Energien, insbesondere der Windenergie seit Jahren besetzt. Als Experte für erfolgreiche Rekrutierung verfolgt EYRIS neben der projektbezogenen Personaldirektsuche auch die Weiterentwicklung marktgerechter Methoden zur nachhaltigen Bewerber- und Mitarbeiterbindung über den Rekrutierungsprozess hinaus.
Herr vom Bruck, schildern Sie uns doch vielleicht in zwei bis drei Sätzen, wie sich Ihr Geschäft in den vergangen zwei Jahren entwickelt hat und für unsere Nutzer ganz kurz, was EYRIS im Wesentlichen an Leistungen und Assets bietet?
Michael vom Bruck:
EYRIS steht für Erfolg in der Besetzung von Positionen sowohl im nationalen, als auch im internationalen Umfeld. Pragmatisch und zeitnah begleiten wir zahlreiche Konzerne, größere Mittelständler und Nischenanbieter im gesamten Prozess der Rekrutierung, von der Einzelbesetzung über die Volumensuche bis zur langfristigen Mitarbeiterbindung und -gewinnung. Wir sprechen insbesondere auch Experten und Spezialisten der technisch ausgerichteten Disziplinen für die freien Stellen unserer Auftraggeber an.
Wer sich die offenen Positionen auf Ihrer Webseite anschaut, stellt schnell fest, dass Sie derzeit im Bereich Windenergie einige Positionen zu besetzen haben. Wie sehen Sie die Entwicklung am Arbeitsmarkt für den Bereich der erneuerbaren Energie? Vielleicht von der Windenergie kommend auch ein Blick hin zu Photovoltaik, Geo- und Biothermie und dem Bereich Elektromobilität.
Michael vom Bruck:
Sie sprechen einen breit aufgestellten Arbeitsmarkt an. Die Unternehmen der übergeordneten Branche ‚Erneuerbare Energien’ verfolgen ein Ziel: die ökonomisch sinnvoll aufgestellte und an Nachhaltigkeit und Verantwortung orientierte Energieversorgung sicher zu stellen. Das EEG trägt einen Teil hierzu bei, dessen Novellierung erfordert einen weiteren Ausbau des fachlichen Know-hows. Doch auch bei dieser gemeinsamen Grundlage sind die Unternehmen auf Mitarbeiter angewiesen, die aus unterschiedlichen Fachrichtungen kommen und für sich einen heterogenen Arbeitsmarkt abbilden:
Wir unterstützen seit über zehn Jahren Hersteller von Haustechnik für die private Nutzung von regenerativen Energien im Bereich der Solarthermie und Photovoltaik sowie auch Kraftwerksbauer, Engineeringdienstleister und Zulieferer bei der Suche und Auswahl von Experten in diesem Kontext. Die Positionen umfassen sämtliche Bereiche und Ebenen: vom Entwicklungsingenieur für Elektrowärmepumpen, Brennstoffzellen, Solarzellen bis hin zu Spezialisten im Kraftwerksbau für Windanlagen, Solarkraftwerke und Wasserkraftwerke. Aufgrund unserer fachübergreifenden Ausrichtung besetzen wir die Positionen für sämtliche Projektstufen der Herstellung von Komplettanlagen und erhalten übergreifende Einblicke in das Geschäft.
Für die Windenergie gilt laut Expertenmeinung heute, dass sie die einzige bezahlbare und damit refinanzierbare alternative Energiequelle ist. In diesem Zusammenhang richten wir uns, ob nun durch die allgemeine Haltung oder durch Faktenlage determiniert, umfänglich auf dieses Thema aus und bauen vorhandenes Know-how weiter aus. Eine ähnliche Entwicklung ist für die von Ihnen angesprochenen Alternativquellen und hier insbesondere für die Energiegewinnung durch Biomasse gegeben. Auch hier kristallisiert sich ein gefestigter ‚Industriezweig’ und ein gewisser damit verbundener Standard heraus.
Der Arbeitsmarkt wird von der national wie international expandierenden Branche profitieren, denn es sind eine Unmenge an artverwandten Disziplinen betroffen, welche heute in manch anderem Kontext schlichtweg notleidend sind. Nehmen Sie nur als ein wirklich reales Beispiel das Thema Sonnenkollektoren. Diese müssen im B2C-Geschäft in der Regel auf ein Dach montiert werden. Unternehmen in der Herstellung von Sonnenkollektoren suchen zurzeit Hände ringend Dachdeckermeister, nur um die Wertschöpfungskette im eigenen Hause zu belassen – was Sinn macht. Ähnliches finden Sie im Bereich Windenergie: Hier sind Schweißfachleute – vom Meister bis zum Ingenieur – absolute Mangelware.
Ihrer Erfahrung nach, was charakterisiert derzeit die Anforderungen an Mandate in diesen Segmenten, diese sind ja doch verbunden mit einem hohen Maß an Fachkräfte- und Innovations-Know-how?
Michael vom Bruck:
Waren noch vor einigen Jahren die Berufsbilder weniger differenziert, verbessert sich heute die Vergleichbarkeit in Güte und Qualität von potentiellen Mitarbeitern. Auch wenn der Markt sehr eng ist – die besten Fach- und Führungskräften befinden sich in einem von ihren Arbeitgebern behüteten Anstellungsverhältnis – können diese von uns für neue Projekte motiviert werden. Letztlich ist es ein großes Stück technische Versiertheit und somit Erfahrung unserer verantwortlichen Kollegen, die geforderten Details eines Anforderungsprofils richtig zu deuten und entsprechend umzusetzen. Das Problem liegt eher auf der Nachfragerseite. Hier entstehen im Sog des erforderlichen Volumens oftmals eine große Divergenz im Kontext ‚Was will der Fachbereich?’ und ‚Wie setze ich das verständlich im Markt und in der HR um?’. Wünschen ist in diesem Segment noch nicht immer gleich Wissen.
Letztlich haben wir – glücklicherweise – bereits vor Jahren das Privileg besessen, mit einem der fünf Top-Player im Weltmarkt für Zertifizierungsmaßnahmen zusammen zu arbeiten. Heute haben wir nicht nur unser Klientel ausgebaut, sondern wir konnten bereits im frühen Stadium der ersten realisierten Windprojekte eine unglaubliche Menge an Erfahrung sammeln. Durch die Weiterführung der gewonnenen Expertise können wir auf eine sehr breit aufgestellte Basis an Wissensträgern im Hause selber und noch wichtiger, auf ein international aufgestelltes Netzwerk an Experten zurückgreifen, welche teils vor Jahren schon durch unser Haus in einer damals sehr exponierten und oftmals einmaligen Situation vermittelt wurden. Das prägt natürlich nachhaltig die Möglichkeiten in der Personalsuche und -auswahl und in der Qualität der Ansprache von potentiellen Bewerbern.
Sind hier insbesondere regionale Ausprägungen zu erwarten und wenn ja auf welche Bundesländer / Regionen dürfte hier besonderes Wachstumspotenzial fallen? Dies wird sich sicherlich nach Standorten etablierter Player richten und wo sehen Sie diese oder spielt hier das Thema Standort der Hochschulen schon eine Rolle?
Michael vom Bruck:
Es ist aus den Anfragen der letzten Monate ersichtlich geworden, dass für Auftraggeber natürlich insbesondere bei Führungspositionen der Wunsch besteht, die Nähe zum Standort des Auftraggebers wie auch zur Nähe des realen Projektes zu wahren. Da jedoch der Markt derart eng besetzt ist, sind Stand heute, die meisten nachfragenden Unternehmen zu diversen Ausgestaltungen bereit wie z.B. Home-Office. Die Arbeitskraft steht im Vordergrund, nicht die Eingliederung in die passende Infrastruktur. Das hat so ein bisschen was Nostalgisches aus der überproportional stark gewachsenen IT-Ära der 90er Jahre.
Hochschulen, das hat die Entwicklung im Zusammenhang mit der Automobil-Industrie gezeigt, neigen verständlicherweise dazu Studienfächer branchenspezifischen und marktkonformen Anforderungen anzupassen. Ortsunabhängige und auf berufliche Weiterbildung ausgerichtete Fernstudiengänge finden einen starken Zulauf und werden von den entsprechenden Unternehmen gefördert. Das Umsetzungspotential jedoch ist zeitlich vor allem im Rahmen des Bologna-Prozesses nur mittelbar greifbar, also muss sich der Markt bis zur Reife qualitativer Abgänger gedulden. Hinzu kommt, dass sich auch die Qualifikationen der neuen Studiengänge bewähren müssen. Hier wird dasjenige Unternehmen im Vorteil sein, das sprichwörtlich zwischen den Zeilen lesen kann. Wir verweisen hier gerne auf den Begriff bzw. das Studium und/oder den Begriff der Mechatronik; hierzu lässt sich eine Vielzahl an positiven Missverständnissen aufzeigen.
Wie attraktiv ist die Zukunftsbranche Erneuerbare Energien derzeit für Einsteiger und Umsteiger? Wer sind derzeit die großen Arbeitgeber in Deutschland zum Thema alternative Energien und was macht sie attraktiv?
Michael vom Bruck:
Wie bereits im vorherigen Kontext angedeutet, befinden sich der Markt und seine Teilnehmer noch im Prozess der fortwährenden Definition. Dies ist eine wunderbare Chance für alle Umsteiger und Einsteiger, die hoffentlich auch von vielen genutzt werden wird. Es muss und wird neue Berufsbilder geben: schnell veränderliche, technologische Zyklen sind die ausschlaggebende Determinante für eine zunehmende theoretische, aber auch in der Praxis tatsächlich anwendbare Hochschulausbildung. Aber das ist nur ein Teil der Wahrheit.
Die marktführenden Unternehmen setzen auf branchenspezifisch erfahrene Führungskräfte, für die sie die zur Mitarbeiterwerbung notwendigen Rahmenbedingungen realisieren. Hiervon sollten sich Umsteiger jedoch nicht demotivieren lassen: im gleichen Zusammenhang werden immer mehr an umsetzungsstarken Fachkräften notwendig, deren Ausbildungshintergrund oder Branchenzugehörigkeit keine wirkliche Relevanz mehr aufweist. Hier sind flexible, erfahrene und technisch versierte Mitarbeiter als genauso unternehmenskritisch einzustufen. Schauen Sie sich hierzu einmal den Bereich Anlagenbau oder Sondermaschinenbau an. Diese Entwicklung ist seit Jahren gegeben, nur die Medienwirkung ist eine andere.
Insgesamt verlagert sich die Branche. Vor allem China und die USA bauen ihre Kapazitäten massiv aus: China ist in der Lage die Produktion zum Beispiel von Solarzellen kostengünstiger abzuwickeln und in den USA wächst die Branche seit dem Präsidentschaftswechsel. Hierher expandieren die deutschen Top-Player. Eine weitere Konsolidierung ist zu erwarten und hierdurch wird sich auch die Positionierung der Arbeitgeber definieren. Wer sich auf dem Weltmarkt behauptet, stellt die Arbeitsplätze der Zukunft.
Lieber Herr vom Bruck, wir Danken Ihnen für Ihre Zeit.
Michael vom Bruck ist Geschäftsführer der EYRIS GmbH Human Resources Services
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